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Ein schönes Stück Heimat


Auf zum Hochkopf, zum mit 1.038 Metern über dem Meeresspiegel höchsten Punkt auf Bühler Gemarkung. Er steht ein bisschen in Konkurrenz mit dem Nachbarberg Hornisgrinde, der neuerdings mit einem Ausflugslokal ungleich mehr Menschen anzieht. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist der Hochkopf für mich bis zum heutigen Tag ein ganz besonderer Ort. Ein stiller Ort – zu allen Jahreszeiten.

Wir starten auf dem oberen Parkplatz auf Unterstmatt, überqueren ihn in Richtung Wald und finden den gut ausgeschilderten Einstieg in die Wanderung. Zunächst geht es ein kleines Stück auf einem schmalen Waldpfad nach oben. Nach dem Überqueren eines Forstweges beginnt für mich schon der schönste Teil des Weges. Ein mit Sandsteinplatten belegter Pfad, der uns durch die hier beginnende Grindelandschaft führt, welche aus Heiden, Magerwiesen, Wollgräsern, Heidelbeersträuchern, Moorbirken und Latschenkiefern besteht. Diese baum- und nährstoffarmen Feuchtheiden sind das Ergebnis einer über mehrere Jahrhunderte anhaltenden Beweidung der Hochflächen bis ins 19. Jahrhundert. Manch einer bekommt hier Lust, von Steinplatte zu Steinplatte zu hüpfen. Im Winter allerdings ist Vorsicht geboten, dann ind sie oftmals eisglatt. Dann sind wir auch schon oben auf der Grindenhochfläche angelangt. Hier gibt es mehrere Gelegenheiten, sich auf einer Bank auszuruhen und die Natur auf sich wirken zu lassen. Am Gipfel selbst ist sogar eine ganze Sitzgruppe aufgestellt.

Hier oben ist die Stille getränkt von weit entfernten Geräuschen. Man kann ihr lauschen und sie buchstäblich in sich selbst aufnehmen. Das Rauschen der Atmosphäre, vielleicht ein weit entferntes Motorflugzeug, gelegentlich menschliche Stimmen. Darüber hinaus gibt es bei gutem Wetter eine fantastische Weitsicht, nicht nur auf die benachbarten Schwarzwaldberge, sondern auch auf die Gipfel der Vogesen in der Ferne. Der Spätherbst bietet bisweilen ein ganz besonderes Erlebnis. Nämlich dann, wenn man aus dem Nebel der Rheinebene hier hochkommt. Unten im Tal kann man sich kaum vorstellen, dass es irgendwo in der Nähe überhaupt noch ein bisschen Sonne gibt. Und dann steht man auf dem Hochkopf, und es kommt einem vor wie ein kleines Wunder. Die Sonne wärmt nicht nur die Gipfel, die aus dem Nebelmeer herausragen, sie wärmt auch einen selbst. Man weitet die Lungen, atmet tief durch, und freut sich, für ein paar Stunden dem Grau entflohen zu sein. Diese wunderbaren Augenblicke auf dem Hochkopf lohnen allein schon eine Kurzwanderung zu ihm hinauf.

Wer allerdings den gesamten Rundweg wandern möchte, geht nun weiter zum Pfriemackerkopf, der zusammen mit dem Hochkopf als Schonwald ausgewiesen ist. Wir befinden uns übrigens schon die ganze Zeit auf dem Westweg, der durch eine rote Raute ausgewiesen ist. Die nächsten Meter gleichen gerade im Spätsommer einem sanften Traumpfad. Er schlängelt sich durch die Hochmoorlandschaft, links und rechts kleine Ansammlungen von Latschen und Birken und dazwischen überall das üppig blühende Heidekraut. Lila Teppiche in die grüne Landschaft gewebt. Schließlich steigen wir ab durch ein dichtes Birkenwäldchen und gelangen auf einen Forstweg und nach kurzer Zeit zu einem Standort, von dem wir einen wunderbaren Blick auf das Kurhaus Bühler Höhe, den Wiedenfelsen sowie auf den Friedrichsturm auf der Bühler Höhe haben. Anschließend erreichen wir einen geschotterten Forstweg. Den an sich vorgesehenen Weg müssen wir derzeit leider wegen Forstarbeiten für eine kleine Umleitung verlassen, bevor wir schließlich das teilabgerissene ehemalige Kurhaus Hundseck erreichen. Wahrhaft kein schöner Anblick, deshalb wenden wir uns auch bald wieder gen Süden, um auf dem Mannheimer Weg zurück Richtung Unterstmatt mehrfach einen grandiosen Ausblick ins Rheintal zu genießen. Am Ausgangspunkt wieder angekommen, werden Sie mir zustimmen, ein schönes Stück Heimat erlebt zu haben.

Die Tour von Wolfgang Jokerst ist der dritte Teil unserer Serie.

Auf zum Hochkopf: Er ist mit 1038 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt auf Bühler Gemarkung.

Auf zum Hochkopf: Er ist mit 1038 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt auf Bühler Gemarkung.

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Redakteur / Urheber
Stadt Bühl