Bühler Frühzwetschge

ine kleine blaue Frucht wird groß gefeiert


Katinka, Herman, Hanita, Cacaks - wer glaubt, dass es sich hierbei um Namen oder Städte handelt, irrt. Hinter diesen Begriffen stecken Zwetschgensorten, die mittlerweile neben der bekannten Bühler Frühzwetschge in Bühl angebaut werden. Prunus domestica, der wissenschaftliche Name für die Zwetschge, die Zwetsche oder auch die Quetsch, ist eine Unterart der Pflaume und zählt zum Steinobst. Im Gegensatz zu der Pflaume ist die Zwetschge weniger rundlich, hat spitzere Enden, ist ohne Fruchtnaht und lässt sich leichter vom Stein lösen.

Aber wie kam eigentlich die Zwetschge nach Deutschland, beziehungsweise in die heimischen Gefilde der Stadt Bühl? Die Kultur der Zwetschge ist bis ins Altertum zurückzuverfolgen. Ihre Wurzeln hat sie in Vorderasien, wo bereits vor 2000 Jahren wilde Pflaumen wuchsen. Von der „Urpflaume“, wie sie einst irgendwo zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer wuchs, ist allerdings nicht mehr viel übriggeblieben, denn seitdem die Römer die Pflaume aus Kleinasien mitgebracht, im Mittelmeerraum kultiviert und in Europa angepflanzt haben, wurde die Frucht immer wieder gekreuzt und veredelt. Heute gilt Deutschland als der größte Zwetschgenproduzent Europas. Hierzulande gibt es rund 25 bekannte Sorten mit zum Teil recht ungewöhnlichen und regional bezogenen Namen wie „Lützelsachser“, „Ortenauer“, „Hanita“, „President“ und, nicht zu vergessen, die berühmte Bühler Frühzwetschge.

Um 1840 in Kappelwindeck entdeckt

Dieser ist es zu verdanken, dass Bühl in Deutschland und sogar über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Kappelwindeck ist der „Heimatfleck“ der echten Bühler Frühzwetschge, die durch ihre Widerstandsfähigkeit und ihre frühe Reife eine Besonderheit darstellte. Um 1840 wurde dort die berühmte blaue Frucht mit dem säuerlich-aromatischen Geschmack erstmals entdeckt. Bedingt durch das milde Klima, gedieh die Zwetschge hervorragend und trat bald darauf ihren „Siegeszug“ an: Fast hundert Jahre behauptete sie ihren Platz auf den großen Märkten im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Hamburg und Berlin. Auch im Ausland wurde die blaue Frucht bekannt. Die Zwetschgenproduktion entwickelte sich schnell zu einer der Haupteinnahmequellen Bühler Bürger.
 
Zwetschgenkönigin seit 1927

Heute ist der wirtschaftliche Stellenwert des Zwetschgenanbaus für Bühl gegenüber der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen. Aber noch immer begegnet man in Bühl den Zwetschgen überall, sei es in Form von Zwetschgenkuchen, Zwetschgenmus, Zwetschgenknödeln, Marmelade oder in hochprozentiger Form als Zwetschgenwasser - die Frucht ist aus Bühler Küchen, Backstuben und Brennereien einfach nicht mehr wegzudenken. Und auch das traditionelle Bühler Zwetschgenfest, das alljährlich in der Innenstadt von Bühl gefeiert wird, erinnert daran, welch besonderen Stellenwert die Zwetschge in der Vergangenheit hatte. Zu ihren Ehren gibt es seit 1927 in Bühl eine Zwetschgenkönigin, welche die süße blaue Frucht in der Stadt und ihrer Umgebung repräsentiert.


Patenschaft für einen Zwetschgenbaum

2018 hat der Verein Slow Food Deutschland die Bühler Frühzwetschge in seine „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Das 1996 gestartete Projekt schützt weltweit rund 4800 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen und will das kulinarische Erbe der Regionen retten. Die Bühler Frühzwetschge ist einer von nun 69 deutschen Arche-Passagieren. Slow Food möchte sich dafür engagieren, dass sie in ihrer geschmacklichen und kulturellen Einzigartigkeit wieder stärker wahrgenommen und nachgefragt wird. Die Stadt Bühl bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, eine Patenschaft für einen Zwetschgenbaum zu übernehmen: Mit 50 Euro pro Baum und Jahr kann man dazu beitragen, die Kosten für Kauf, Pflanzung und Pflege zu finanzieren. Auch eine Patenschaft für einen halben Baum (jährlich 25 Euro) ist möglich. Ein Pate verpflichtet sich für „seinen Baum“ für fünf Jahre. Als kleines Dankeschön erhält er für die Dauer seiner Patenschaft jährlich fünf Pfund Bühler Frühzwetschgen.
 
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